Mehr Sicherheit für die digitale Transformation

24.06.2020

Mehr Sicherheit für die digitale Transformation

Erster Bericht des Weisenrats für Cyber-Sicherheit veröffentlicht

Matthias Hollick, Informatik-Professor an der TU Darmstadt, hat gemeinsam mit fünf anderen Professorinnen und Professoren als „Weisenrat für Cyber-Sicherheit” des Cyber Security Clusters Bonn einen ersten Bericht veröffentlicht. Neben einer Bestandsaufnahme enthält der Bericht Empfehlungen an Politik und Wirtschaft für mehr Sicherheit bei der Digitalen Transformation. Das Dokument soll einen Beitrag zur Immunisierung der Gesellschaft gegen Cyber-Attacken leisten.

© Katrin Binner

Professor Hollick, Sprecher des LOEWE-Zentrums emergenCITY – die Resiliente Digitale Stadt“ und Leiter des TU-Fachgebiets Sichere Mobile Netze, verantwortete für den Bericht den Themenschwerpunkt „Digitale und Smarte Städte der Zukunft“. Darin beschreibt er, wie künftige Städte konzipiert sein müssen, um die Resilienz und Sicherheit der kritischen Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen zu erhöhen und gleichzeitig die Privatheit ihrer Bewohner zu schützen. Hier eine Zusammenfassung von ihm.

Digitale Infrastrukturen in smarten Städten müssen jederzeit verfügbar, verständlich und beherrschbar bleiben.

„Seit einigen Jahren ist die Transformation von über Jahrhunderte gewachsenen Städten hin zu smarten Städten zu beobachten, während gleichzeitig neue, von Grund auf digital konzipierte Städte entstehen. In solchen digital vernetzten Städten ist die Funktionsfähigkeit der IKT-gestützten Infrastrukturen durch Naturereignisse, menschliches und technisches Versagen sowie Gewalt und Terror gefährdet. Für digitale Infrastrukturen in smarten Städten müssen wir sicherstellen, dass sie jederzeit verfügbar, verständlich und beherrschbar bleiben.

Aus dem aktuellen Stand der Technik leitet der Bericht eine Reihe von Handlungsempfehlungen ab: Für digitale Infrastrukturen in smarten Städten müssen wir sicherstellen, dass sie jederzeit verfügbar, verständlich und beherrschbar bleiben. Krisen wie Cyber-Angriffe, Naturereignisse, menschliches und technisches Versagen sowie Gewalt und Terror gefährden den verlässlichen Betrieb von IT-Systemen. Es ist daher notwendig, dass man auch im Krisenfall und bei hohem Vernetzungsgrad einen Betrieb/Notbetrieb kritischer Infrastrukturen in den Sektoren Energie, Verkehr und Logistik, Gesundheit, Ernährung, Wasser, Finanz- und Versicherungswesen sowie Staat und Verwaltung garantieren kann.

Hierzu sind ein systematisches Verständnis der Verwundbarkeit von IKT sowie wirksame Maßnahmen zur Erhöhung ihrer Resilienz dringend erforderlich. Unsichere oder nicht beherrschbare IT-Systeme dürfen nicht Teil kritischer Infrastrukturen sein und müssen aus digital vernetzten Städten entfernt werden. Gleichzeitig muss eine demokratische Kontrolle über die Daten, die im öffentlichen Raum erhoben werden, gewährleistet sein. Digitalisierte Infrastrukturen in smarten Städten dürfen nicht in eine Überwachung und Kontrolle ihrer Bewohner als Normalzustand münden: Smarte Städte müssen die Rechte des Individuums auf Privatheit schützen.“

Rat für Cyber-Sicherheit

Das Cyber Security Cluster Bonn e.V. mit seinen mehr als 100 Mitgliedern und Partnern hat 2019 einen unabhängigen Weisenrat für Cyber-Sicherheit ins Leben gerufen. Er besteht aus sechs renommierten Professorinnen und Professoren aus den wichtigsten Exzellenz-Clustern in Deutschland. In ihrem an die Bundesregierung gerichteten ersten Bericht stellen sie Handlungsempfehlungen vor, die als Entscheidungshilfe für politische und gesetzliche Rahmenbedingungen dienen können.

Ähnlich wie der Bericht der „Wirtschafts-Weisen“ (des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung), wird das Cyber Security Cluster Bonn künftig jährlich einen Bericht des Weisenrats für Cyber-Sicherheit vorlegen.

Bericht des Weisenrats für Cyber-Sicherheit 2020

Mehr Sicherheit für die Digitale Transformation – Warum wir nur gemeinsam die Gesellschaft gegen Angriffe aus dem Netz immunisieren können

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