Es gibt mehrere deutliche Unterschiede zwischen Schule—auch in der Oberstufe—und Studium, hier ein paar Beispiele:

  • Bis zum Abitur belegt man in der Schule in der Q-Phase vermutlich jedes Halbjahr sieben oder mehr Kurse (u.a. weil Deutsch, eine Fremdsprache, Geschichte oder Gemeinschaftskunde, Kunst oder Musik, Religion oder Ethik, Mathematik, eine Naturwissenschaft sowie Sport verpflichtend zu belegen sind. Jedenfalls sollte dies in Hessen so korrekt sein; in anderen Bundesländern kann es etwas abweichen.). An der Universität haben Sie dagegen in der Regel weniger Fächer pro Semester, meist ca. 4-6 (auch je nach Wahl und Umfang der Fächer).
  • An der Schule können Sie meist zwischen verschiedenen Kursen wählen (“Deutsch-Grundkurs: bei Frau Müller oder Herrn Schmidt? Will ich Kunst oder Musik belegen?”). An der Universität sind jedenfalls in der Eingangsphase die Fächer im Wesentlichen fest vorgegeben: der Studien- und Prüfungsplan sieht feste Fächer vor, und die werden in aller Regel nur von genau einem*r Dozent*in, oder einem festen Team davon, angeboten, so dass es keine Auswahl gibt.
  • Im Unterschied zur Schule gibt es im Pflichtteil in der Regel eine deutliche Trennung zwischen “Vorlesung” (=Vermittlung von Stoff) und “Übung” (=Einüben von Stoff, mit Unterstützung durch eine*n Tutor*in). Die Vorlesung findet für alle Teilnehmer*innen gleichzeitig statt (“Montag 9:50-11:30 und Dienstag 8:00-9:40”), während die Übung in der Regel in mehrere separate Übungsgruppen—die von unterschiedlichen Personen, über die Woche und verschiedene Räume verteilt erfolgen—aufgeteilt ist. Die Übung wird meist durch eine*n Tutor*in geleitet: eine*n Student*in höheren Semesters, die in diesem Fach gut qualifiziert ist und sich auf die Tätigkeit beworben hat. In der Schule dagegen wechseln sich Vortrag der Lehrkraft und Übungsanteile oft ab und beide erfolgen unter Aufsicht der gleichen Lehrkraft. In einigen weiterführenden Veranstaltungen kann das im Studium auch so sein, in der Regel gibt es aber gerade im Pflichtbereich die beschriebene Trennung.
  • Die Stoffdichte—im Sinne “wie viel neuer Stoff wird in einer Zeiteinheit vermittelt”—ist an der Universität in der Regel deutlich höher als in der Schule. Lassen Sie sich nicht von den ersten Wochen täuschen, wo in einigen Fächern allgemeine Grundlagen aus der Schule wiederholt werden: das kommt Ihnen zwar vielleicht “bekannt und langweilig” vor, das sagt aber nicht, dass das Tempo nicht deutlich höher als in der Schule ist…
  • Viele Inhalte werden mit mehr Tiefe betrachtet als in der Schule. Beispiel Mathematik: neue Regeln werden nicht als “ist so” hingenommen, sondern deren Korrektheit wird oft bewiesen—oder ist von Ihnen in der Übung zu beweisen. Das Vertrauen darin, dass die Regel schon stimmen wird, wenn sie im Lehrbuch steht, wird also durch einen entsprechenden Beweis ersetzt.
  • In der Regel werden die Inhalte auch deutlich abstrakter sein als in der Schule. So geht es in der Informatik in vielen Fällen etwa nicht darum, ein konkretes Problem zu lösen (“wie komme ich am schnellsten zu Fuß (oder mit ÖPNV, Auto, …) von meinem Zuhause zum Audimax?”), sondern das allgemeine Problem zu lösen: wie kann man allgemein den optimalen Weg von Punkt A zu Punkt B berechnen? “Optimal” kann beispielsweise für den schnellsten, kürzesten, wirtschaftlichsten (Spritverbrauch), landschaftlich attraktivsten, … Weg stehen.
  • Während an der Schule oft Stundenpläne ausgegeben werden, müssen Sie sich den Stundenplan an der Universität selbst erstellen aus den Daten der belegten Fächer, und sich auch selbst für die Fächer anmelden. Aber keine Sorge: wie das jeweils geht, wird auch im Rahmen der Orientierungsphase erklärt.
  • In der Informatik gibt es keine Anwesenheitserfassung oder -pflicht (mit Ausnahme der Prüfungen, wo die Anwesenheit überprüft werden muss und Nicht-Erscheinen ohne entsprechende Meldung der Prüfungsunfähigkeit automatisch zu einem Nichtbestehen des Versuchs führt). Es gibt also auch kein Klassen-/Kursbuch o.Ä., in dem Fehlzeiten erfasst werden. Letztlich ist es Ihnen überlassen, an welchen der Lernangeboten Sie teilnehmen wollen: wenn Sie etwa davon überzeugt sind, besser durch ein Buch zu lernen als durch die Vorlesung, können Sie das tun. Seien Sie aber nicht überrascht, wenn Abwesenheit ohne sorgfältiges Durcharbeiten der Materialien und Bearbeitung der Übungsaufgaben zum Nichtbestehen oder—bei den Veranstaltungen, die für das erste Studienjahr vorgesehen sind—zum Nichterreichen der Klausurzulassung führen.
  • Viele gute Schüler*innen hatten in der Schule am Ende von Klausuren Zeit, sich alles nochmals genau durchzulesen und kleinere Fehler zu verbessern (inklusive fehlenden “i-Pünktchen”). An der TU ist es dagegen meist eher so, dass “am Ende der Zeit noch Aufgaben übrig sind”.

Ein Studium sollte also nicht unterschätzt werden—es erfordert von Ihnen einiges an Engagement. und Selbstorganisation!